BIOGRAFIEMOTIVATIONFILMOGRAFIE
 



































Ich oder die ?

"UND ICH FRAGE MICH GELEGENTLICH, BIN DAS ICH, ODER BIN ICH SCHON SO WIE DIE IM FERNSEHEN"
(Sportfreunde Stiller)

Ich habe diese zitierten "Sportfreunde" im Rahmen der Bambi- Verleihung rummkasperln sehen. Mir fällt trotzdem kein passenderer Spruch ein, der deutlicher machen könnte, warum (im Land der Empathielosen) mich Natürlichkeit und Unbekümmertheit inspirieren.




















Zwischen Subversion und Anpassung


"So schickt man Kinder anfangs in die Schule, nicht schon in der Absicht, damit sie dort etwas lernen sollen, sondern damit sie sich daran gewöhnen mögen, still zu sitzen und pünktlich das zu beobachten, was ihnen vorgeschrieben wird."
Immanuel Kant 

Ich hatte eine prima Kindheit (am Krainbarg,wo auch "Werner" beheimatet ist). Hielt mich von dem üblichen Leistungsdruck der Erwachsenenwelt fern, klinkte mich durch
billigste Filme aus, weil sie mir Zuflucht boten und halfen dem profanen Leben zu entfliehen. Eine typische Schnulzen- und Lauben- pieperkultur herrschte vor und damit lebte es sich als gäbe es nichts anderes.
Ich gehöre der ersten Generation an, die mit dem Fernsehen aufgewachsen ist.
Erst das us- amerikanische Lebensgefühl (sich "einfach frei fühlen" und wenn es noch so zwackt) hat mich Nachkriegsgenerationler über die Medien umerzogen. Weg von Einflüssen durch jenen Geist des Nationalsozialismus, welcher noch mehr oder weniger verdeckt an jeder Ecke frech das Wort führte und bis heute nachwirkt. Behilflich war das Lebensgefühl, aus französischer Jugendmusikbewegung der frühen Sechziger. Ihr anzuhängen, machte zum kleinen "Avantgardisten". Diese Haltung ermöglichte eine perfekte Abgrenzung zu den langweiligen Mitmenschen und koppelte mich trotzdem an die moderne Warenwelt.
Ich war kein ganz schlechter Schüler, wollte nur meine Spiele spielen und verdrängte die Frage, wie mit dem Widerspruch zurechtkommen, dass die einen Verluste bewältigen müssen, für andere Goldgräberstimmung herrscht. Wir (die ganz frei spielten) bemitleidete die klassenbesten "Streber", um den Freiheitsverlust. Wer diese Grundhaltung kennt, wird auch heute manche Habenixe sofort verstehen. Ungleichheiten werden verdrängt oder als Ungerechtigkeiten empfunden,
als ob die vom Wirtschaftswachstum unentwegt verschärfte sozialökonomische Ungleichheit nicht immanent wäre !?
Es gibt Ungerechtigkeiten, die wohl keiner () aus der Welt schaffen kann. Zum Beispiel die, dass anständige Leute nicht immer begabt, begabte nicht immer anständig sind und erst recht nicht alle auf die vergoldete Spitze einer Pyramide passen. Dahin wollten wir auf einmal alle. An die vergoldete Spitze ! Und hiermit hatte ich mein Thema gefunden, um das sich (verständlicherweise) viele der Kollegen rumdrück(t)en.

Noch heute habe ich oft gute Laune, weil ich mit etwa 11 »Filmemacher« werden wollte, und es geworden bin, mit Leidenschaft und Durchsetzungswillen. Ich wachte nicht
jeden Morgen
auf und überlegte mir, wie ich diese Welt
retten könnte, was lange Zeit ja ganz schwer in Mode war
und Anfang der Siebziger jenen zeitgenössischen Typus hervorgebracht hat, der alle seine Wahrnehmungen auf die Umwelt ausrichtet und jede Mode und mediale Aufgeregtheit zu seiner Sache macht. Nein, ich stellte es etwas anders an. Ich wollte vorallem meine Welt verändern. Lehrte - und arbeitete im ungeliebten Job des Fernmelder und machte nebenbei Filme. Ahnte schon damals, wie es
oft funktioniert:
Wer nichts vor zu weisen hat, gilt gemeinhin als wertlos und fühlt sich wohl oft auch so. Im "Selbstverständlichen" konnte ich mich nur wertiger fühlen, indem ich (freiwillig-gezwungen) das nachzuholen versuchte, was ich in meinem Freiheitsdrang ignoriert hatte: Am »Zweiten Bildungsweg« war ernüchternd und belebend zugleich, als Jugendlicher erfahren zu müssen, dass in der Gegend Intelligenz gerne mit Bildung verwechselt wird und Ironie (nicht nur für Kinder) ein Fremdwort bleibt. Alles soll von sich selber weg führen und geht mit dem Leben Vieler eine urkomische Verbindung ein (was überhaupt nicht mehr lustig wirkt, bleibt man ihr lebenslang verhaftet).

In zahllosen Varianten habe ich diese eigene Sicht auf meine Dinge (in oft komischen Filmen über sogenannte "echte" Leute, quer durch alle Bevölkerungsschichten) kommentarlos in das Fernsehprogramm bekommen und es dem Zuschauer überlassen, sich den eigenen Reim darauf zu machen. Nur unkommentiert bekam ich auf Dauer so lange Filme in den kontrollierten Apparat, die im Gegensatz zur weitverbreiteten Praxis ganz auf Ton- und Bildaussage setzen, nicht alles Unordentliche völlig klar und überschaubar machen, plump, platt und vordergründig in Reihe bringen; die »Message« mit allen zur Verfügung stehenden Zeigefingern, Zaunpfählen, Holzhämmern dem Zuschauer einbleuen; wobei dieser notfalls noch unter Vollnarkose mitbekommt, dass hier Kunst gemacht wird oder das, was dafür im Allgemeinen gehalten wird, ohne näher hinschauen zu müssen, um der Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: sich ganz toll, aber wirklich ganz toll und betroffen oder therapiert zu fühlen. Die Filme sind beliebt.

Dabei sollte berücksichtigen werden, dass im Fernsehen alles auf das immergleiche Weltverständnis hinauslaufen soll, egal welchem Genre das Produkt angehört. Die Zuschauer würden es ja so verlangen, behaupten die Programmstrategen. Und diese "Verhaltensmassregel" muß vom Realisator erstmal unterlaufen werden (bei mir nicht selten durch Subversion & Anpassung). Dies befreiende Spiel haben viele aufgegeben, verlernt und sind den (oft) kleinbürgerlichen Verhältnissen unterlegen, die inzwischen alles dominieren. Die Verbitterung zahlreicher intellektuallisierter Filmemacher, hat eine Ursache ja gerade darin, dass der Fernsehbetrieb (bei dem es oft um Akzeptanz dieser Masse geht) auch ohne sie zu funktionieren scheint. Wenige vermissen deren Deutung. Als gäbe es sie garnicht (ausserhalb der subventionierten Kulturspielwiesen), zappt das TV- und Internetpublikum von einer Ablenkung in die nächste. So sieht es aber nur aus. Denn es geht nicht um die Kunst der Vermittlung von bürgerlichen Inhalten in adäquater Sprache (nicht um Ranschmeisse), sondern komplexeste Dinge darstellen zu können, dass auch Zuschauer ohne Hochbildung (oder einer Affinität dazu) eine oder ihre Identität darin finden könnten.
"Kurz - es ist die alte Tragik des Konflikts zwischen Denken und Handeln - was nützt es wenn dreissig, fünfzig, hundert, fünfhundert Kultivierte sich über das Fortschrittliche, Humane und allein Wünschenswerte einigen können, und die Millionen des <Volkes> sprechen eine andere Sprache ..." fragte Annemarie Schwarzenbach schon Klaus Mann.

Diese Einzelkämpferarbeit an Fernseheigenproduktionen hat sich für mich nun erledigt, auch deshalb, weil ich vieles mindestens dreimal durch habe, wie die Darstellung des Angriffs der Populärkultur auf Werte des wohlhabenden Bildungsbürgertums oder den Hang vieler Zuschauer, sich gerne ein X für ein U vormachen zu lassen. Mich fasziniert jetzt mehr der frei gestaltete poetisch- brachiale Realismus, welcher oft durch Assoziation und Imagination wirkt, mir (in einem fremden Genre) ein »Drittes Dasein« erschließen könnte (nicht muß).























Fotos "Motivation" (C)2004 Svenne Köster



                                       









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